Besuchen wir doch
noch das berühmt-berüchtigtste Dorf auf Sardinien, Orgosolo. Eine Schönheit
ist der Ort wirklich nicht, aber es hebt sich von anderen sardischen
Bergdörfern durch die vielen sozial-kritischen Murales, die viele Hauswände des
Ortes zieren, sowie die jahrzehntelange Rebellion gegen die Ausbeutung durch
Großgrundbesitzer und den italienischen Staat ab. Mit Familienkriegen und
Raubmorden à la Robin Hood ist Orgosolo daher zu einer fragwürdigen
Berühmtheit gelangt.
Zur Begrüßung empfängt uns als Erstes dieses
Ortsschild:
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| Nein, nicht Bonanza... Orgosolo! |
Salvatore, unser Reiseleiter für den Tag, hat uns
erklärt, daß hier wohl ein paar Bürger des Ortes nicht mit einer
Gesetzesänderung einverstanden waren. Sie zerschoßen kurzerhand das Ortsschild.
Und siehe da, schon am nächsten Tag, wurde diese Änderung wieder verworfen. So
geht Politik und Mitbestimmung, oder wie?
Wir kamen in diesen Ort um die zahlreichen
Wandmalereien zu bewundern. Salvatore erklärte, daß die jeweiligen Häuser, die
so ‚verschönt‘ wurden, bei Renovierung dazu verpflichtet sind, diese ‚Murales‘
bestehen zu lassen.
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| Wenn ich es richtig interpretiere geht es hier um eine sichere Welt? |
Peter, Sabrina und ich kennen diese ‚Murals‘ übrigens
schon aus Kalifornien, hier sind auch einige Bilder davon:
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| In Eureka, Kalifornien, 2011 |
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| 2 von 5 |
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| 3 von 5 |
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| 4 von 5 |
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| 5 von 5 |
Der einzige Unterschied ist, für den Laien, daß auf
Sardinien die Bilder mit Texten, italienischen oder sardischen, versehen sind
und in Kalifornien nicht.
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| Besagtes Bild mit Helmut Schmid, Ulrike Meinhoff, Bertold Brecht |
Leider waren wir damit beschäftigt einen Teil, dieser
ca. 120 Stück (wenn ich richtig gezählt habe, haben wir 67 abgelichtet), zu
fotografieren und haben so Salvatores Erklärungen verpaßt. Nun habe ich ein
wenig im Internet darüber recherchiert, bzw. Ihr müßt Euch bitte anhand des
Italienischen Alles ein wenig zusammenreimen.
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| Noch in Nuoro gesichtet... |
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Mein Lieblingsbild: 'Frauen vereint Euch'. Die Unterdrücker zündeten das Haus mit den Frauen drin einfach an! :O |
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| Bild über einer Notaufnahme |
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| Mißstände im Bildungswesen |
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| Greift die Situation am Gazastreifen auf |
Selbstverständlich würde der Beitrag zu lang, würde ich
all unsere fotografierten Murales einfügen, daher hier nur ein paar
ausgesuchte.
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| Da ist etwas 'dringend' - 'urzente' |
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| An einem Café |
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| Hier geht es um Freiheit und Respekt |
Und für den interessierten Leser, ‚beglücke‘ ich Euch
hier auch noch mit meiner Internet-Recherche über die Entstehung, Bedeutung und
Herkunft. Denn entgegen Salvatores Aussage, stammen die Murales nicht aus
Italien, oder Sardinien, sondern aus Südamerika. Bzw. kennt man Steinmalerei ja
bereits aus der Steinzeit und von überall her. SO besonders wie er getan hat
sind sie daher nicht.
Ich persönlich denke mir mal, SO kann man eine alte Stadt und heruntergekommene
Häuser auch aufwerten und in diesem Fall… dem Tourismus zugänglich machen.
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| Fußwaschung |
Leider haben wir erst im Nachhinein herausgefunden, daß es in diesem einen
Laden eine Broschüre mit allen Erklärungen darüber gegeben hätte. Ups…
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| Salvatore latscht durch's Bild... |
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| Vorgehen gegen das Problem staatliche Agrarwirtschaft? |
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| Harry und Peter |
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| So ein Kerl der in dem Lokal arbeitete... und ich. |
[Hier noch, als Zitat, meine Internet Recherche. Es ist viel zu lesen, daher
separat, für alle Interessierten.]
>>Die ältesten Wandgemälde in Orgosolo verweisen auf den moderaten Freiheitskampf, den die um ihre Eigenständigkeit bemühten Sarden gegen die Zentralmacht Italien führten. Orgosolo war ein Hauptwiderstandsnest. Neuere Bildnisse kommentieren eher die Weltpolitik, z.B. den 11. September 2001, oder enthalten sogar Werbebotschaften.
Erste Anstöße für Wandmalereien kamen
wohl aus der italienischen Studenten- und Stadtindianerbewegung nach 1968.
Politisch engagierte junge Künstler lernten im Ausland die Wandmalereien
Mexikos und Chiles kennen und übernahmen das spanische Wort Murales. Die Themen
kamen von der sardischen Autonomiebewegung, dem zunehmenden Protest gegen den
Ausverkauf der Insel an Militärs und Tourismusunternehmen, aber auch aus der
sardischen Geschichte, der Welt der immer Unterlegenen, aus den harten
Auseinandersetzungen zwischen Herren und Knechten in den Hirtendörfern. In
kurzer Zeit wurden die Hauswände, u.a. in Orgosolo, zu Bildergeschichten über die
leidvolle sardische Vergangenheit, mit der Hoffnung auf eine bessere, aber
unbedingt sardische Zukunft. An den Murales arbeiteten neben Berufskünstlern
auch Laien mit. Heute verbleichen die meisten Bilder, blättern ab, sind
Geschichte.
Heute finden sich auch in Mexiko an nahezu allen öffentlichen
Gebäuden Murales. Unter dem Namen Muralismo verbreitete sich diese Kunstform.
Der Begriff Muralismo (span.,
übersetzt Muralismus) bezeichnet allgemein Wandmalerei im öffentlichen Raum, die
Kunstform entstand in den 1920er Jahren nach der Mexikanischen
Revolution. Murales sind Wandmalereien mit nationalen, sozialkritischen
und historischen Inhalten. Hauptwerkzeug ist der Pinsel, es werden aber auch
andere Techniken wie zum Beispiel Sprühpistolen genutzt. Die meisten Murales
sind jedoch in Fresko-Technik
gemalt.
Die Wandmalerei selber ist nun eine Form der Malkunst, bei
der das Bild nicht, wie bei einer Tafelmalerei, auf
eine Holztafel oder Leinwand aufgetragen wird und zum mobilen Einsatz bestimmt
ist, sondern auf eine Wand oder Decke so appliziert wird, daß sie fest mit dem
Untergrund verbunden ist. Die Wandmalerei ist neben der Bildhauerei die
älteste überlieferte Kulturleistung der
Menschheit.
Bei einer Wandmalerei versucht der Künstler, das
charakteristisch Flächige der Wand zu wahren (strenge Wandmalerei) oder den
Eindruck von Dreidimensionalität zu erzeugen (illusionistische Wandmalerei).
Es lassen sich grundsätzlich drei Arten von Maltechniken unterscheiden.
Und zwar ‚al fresco‘, ‚al secco‘ und ‚Anfertigung im Atelier‘.
Bei ‚al fresco‘ werden die Farben in’s Frische, also auf den frischen Putz
aufgetragen, wobei sie in einer chemischen Reaktion mit dem Putz verkieseln und
sich so unlöslich mit dem Untergrund verbinden. Das fertige Wand- oder
Deckenbild wird das Fresko oder die Freske genannt.
Bei ‚al secco‘, der auf’s Trockene genannten Ausführung werden die Farben nicht
auf den frischen, noch feuchten Kalkputz, sondern auf das schon trockene
Mauerwerk aufgebracht. Für Bilder dieser Technik kann sich ein Künstler mehr
Zeit lassen. Es kann jedoch Probleme mit der Haltbarkeit geben, da sich die
Farben nicht so innig mit der Wand wie beim Fresco verbinden.
Bei ‚Anfertigung im Atelier‘ wird nicht nur der Entwurf und
die Schablonen oder
andere Vorlagen für das Wandbild im Atelier des Künstlers angefertigt, sondern
auch das eigentliche Werk selbst. Dies wird auf eine den architektonischen
Verhältnissen des Anbringungsortes angepaßte Leinwand
gemalt, die dann vor Ort aufgeklebt oder mit Hilfe eines Rahmens aufgespannt wird. Diese Methode wurde auch bereits in früheren Zeiten wegen der
anstrengenden "Über Kopf"-Arbeit besonders bei der Ausführung von
Deckenbildern angewandt.
Die ersten Murales entstanden in Mexiko-Stadt. Die
Künstler waren dabei in der Darstellung ihrer Inhalte nahezu frei. Viele Bilder
heroisieren das Arbeiter- und Bauernvolk und dessen populäre Führer, stellen
Szenen der Revolution patriotisch dar, verurteilen Großgrundbesitz und stellen
das Leben der Urbevölkerung des Landes idealisiert dar.
Die wichtigsten Vertreter waren die sogenannten „Los Tres
Grandes“ (Die großen Drei), Orozco, Rivera und Siqueiros. Die
meisten der mexikanischen Muralistas (Murales-Maler) waren männlichen
Geschlechts, als erste weibliche Vertreterin dieser körperlich anstrengenden
Kunstform malte Aurora Reyes 1936.
Viele der heute bekannten Muralisten aus Mexiko waren linkspolitisch aktiv,
einige von ihnen durchreisten auch europäische Länder, tauschten sich mit
dortigen Künstlern aus und ließen sich durch die europäische Kunst in ihrem
weiteren Schaffen beeinflussen.
Danke, wie immer, für Eure Aufmerksamkeit, Euer Interesse und Eure Kommentare.
Regina, Ihres Zeichens die eine Hälfte, der Hälfte des dynamischen Quartetts.
Wow, also ich finde, da sind eine Menge tolle "Hausmalereien" dabei. Teilweise echte Künstler.
AntwortenLöschenSehr interessantes Dörfchen.
Ja genau Claudia, das haben wir uns auch gedacht. Damit könnte man bei uns auch Vieles aufhübschen. Ist ja im Grunde auch nichts Anderes als 'Grafitti'. Manches fand ich persönlich etwas abstrakt, aber es macht dieses kleine Städtchen ein bißchen interessanter, wenn man mal von Lage, Wetter und Meer absieht.
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