Sonntag, 3. Juli 2022

Kriegspfad des Friedens

Wie Regina ja angekündigt hat darf ich nun von unserem Ausflug am Sonntag berichten.

Wir fuhren mit dem Auto nach Bezzecca, denn das Ledrotal ist für die Schlacht bei Bezzecca (1866, während des Dritten Unabhängigkeitskrieges) bekannt, an der der italienische Nationnalheld Garibaldi teilnahm.

Während des Ersten Weltkriegs (1915 - 1918) wurde das Valle di Ledro wieder in ein Schlachtfeld verwandelt, woher auch die Schützengräben der Kriegsgedenkstätte stammen.

Auf dem Hügel von Santo Stefano liegt die gleichnamige Kirche, die 1521 geweiht und während der Kämpfe von Garibaldi und während des Ersten Weltkriegs schwer beschädigt wurde.

Offensichtlich muss die Kirche aber auch wieder restauriert worden sein, was sich an den schönen Decken- und Wandfresken erkennen lässt.


Regina musste wieder mal warten





Die Kirche nahm die Gefallenen beider Kriege auf, wodurch sie zum „Beinhausdenkmal“ wurde.

Hier werden die Überreste von 37 Gefallenen des 1. Weltkriegs aufbewahrt, aber auch die von 61 Soldaten, die 1866 unter Giuseppe Garibaldi am Unabhängigkeitskrieg teilgenommen haben und in der Schlacht vom 21. Juli 1866 zwischen den Österreichern und den Anhängern Garibaldis gefallen sind. 



Von der Westseite der Kirche aus hat man einen tollen Blick auf den tiefer gelegenen Friedhof bis hinunter zum Ledrosee.

Davor vermutlich zwei Massengräber für nicht näher benannte Gefallene der beiden Kriegsereignisse.




Weiter westlich sind eine italienische 75-mm-Kanone zu sehen, ein großes Kreuz, das vom alten Kirchhof stammt, sowie eine Säule, die Bezzecca 1924 von der Stadt Rom als Geschenk erhalten hat.


Ich folgte einem Hinweisschild „Scala a Chiocciou Chiocciola“ (Wendeltreppe), konnte diese aber nicht finden (komme später darauf zurück), weshalb ich mich dann der östlichen Seite der Kirche widmete.

"Wendeltreppe"

Auf der östlichen Seite der Kirche kommt man über verschiedene, verschlungene Wege zu den Gefechtsstellungen, welche während des ersten Weltkriegs entstanden.

Entlang der Pfade zu den italienischen Schützengräben entdeckt man immer wieder Grabsteine und Denkmäler, welche an Garibaldis Bemühungen, den Ersten und auch den Zweiten Weltkrieg erinnern.



Hatte ganz schön Mühe das Selfie lesbar hin zu bekommen.








"Kriegspfad des Friedens"

Es gab insgesamt 6 Gefechtsstellungen an denen man auch durch die Schießscharten sehen kann. Allerdings sind diese größtenteils durch Sträucher und Bäume so zugewachsen, dass man den damaligen Blick nicht mehr nachvollziehen kann.

Die Stellungen sind mit sehr engen Gängen und Treppen (da terassenmäßig angeordnet) verbunden, welche beim Begehen schon ein beklemmendes Gefühl hinterlassen.





Am höchsten Punkt der Anlage wird mit einem Denkmal, welches mit einem großen Kreuz gekrönt ist, den Gefallenen des Befreiungskrieges gedacht.

Von dort aus hat man auch wieder einen sehr guten Ausblick zum Ledrosee und auf „Bezzecca“.

Die Kirche im Ort, sollte die auf dem Hügel ersetzen und wurde von 1857 - 1859 erbaut.



Bezzecca




"neue" Kirche im Ort

Und nun zurück zu der Wendeltreppe.

Dies ließ mir nämlich keine Ruhe, da ich davon auch schon im Internet gelesen hatte.

Ich also zurück zu dem Hinweisschild und nochmal in dessen Richtung gelaufen.

Und tatsächlich unterhalb des kleinen Hügels mit der 75mm Kanone führte eine kleine Treppe in einen Tunnel.

Von dort aus konnte man über eine Wendeltreppe mit 82 Stufen zu einem weit verzweigten Tunnelsystem gelangen, welches dann wiederrum zwei Ausgänge zur Ortschaft hatte.

Einer davon führt direkt zur oben genannten „neuen“ Kirche.

Dieses Tunnelsystem, vermute ich, diente als Unterkunft und Lagerstätte (z. B. Munition, Lebensmittel) um die Soldaten zu versorgen.









Wie diese Verbindung zwischen Hügel und Ortschaft allerdings früher aussah - damals hatten sie bestimmt noch keine metallene Wendeltreppe - konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen.

Es gibt aber auch noch eine Verbindung zu Fuß von den Schützengräben in die Ortschaft.

Das weitläufige Gelände bietet leider keine bzw. nur wenige Sitzgelegenheiten.

Aber selbst, wenn man nur gelegentlich wo stehen bleibt, erfasst einen eine Ruhe, welche mit solch einem Platz eher nicht verbunden wird.

Bezzecca selbst ist eine kleine schöne Ortschaft, welche am 21. Juli eines jeden Jahres in Gedenken an die Schlacht von 1866 Ausstellungen und ein Fest organisiert.

Wer sich noch mehr über die Schlachten informieren will findet dort noch weitere Sehenswürdigkeiten.

Jetzt noch ein paar Bilder vom Friedhof, welcher auch sehr schön angelegt ist.





Ich hoffe Euch gefällt meine detaillierte Beschreibung der Gedenkstätte, denn gerade das Schild, welches auch Namensgebend für den Beitrag war, lässt einen Zusammenhang zur aktuellen Situation in der Ukraine erkennen.

Ihr könnt Euch auch noch auf einen weiteren Beitrag von Regina mit diversen Videos während unseres Urlaubs freuen.

Tschüß

Euer Peter

10 Kommentare:

  1. Ihr Lieben... Peter 'darf' Euch berichten? Er 'durfte' jederzeit, aber wie das bei einem Vollzeit arbeitenden Menschen halt so ist, hat er selten dafür Zeit und im Urlaub andere Prioritäten gesetzt. Und da ich so gar keinen Hang zu Geschichte habe und leider nicht mit in die Schießgräben klettern konnte... mußte er von Haus aus die Berichterstattung darüber übernehmen. Sonst... hättet Ihr darüber nämlich nichts erfahren. Er hat das, wie ich finde, TOLL gemacht und gar nicht langweilig. So mag ich Geschichte! Hoffe Euch gefällt die Info und die Fotos so gut wie mir. Über Eure Kommentare freuen wir uns natürlich immer *wie plöth*. Regina

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  3. Moni ka, Sabrina R., Brina Colada, Melanie S., Melanie, Manu, Nikki, Edeltraud K., Karin O Punkt, Gaby Ronan & UschiDienstag, 5. Juli 2022 um 06:12:00 MESZ

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  4. Hi Peter der Tag ist sehr interessant anschaulich geschrieben und beschrieben worden. Das sieht man wie früher Krieg geführt wurde Mann zu Mann .- leider sind die Leute bis heute nicht viel gescheiter nur noch gefährlicher . Interessant ist auch dass so alle Völker ihre Höhlen und Tunnels haben . Es ist ein sehr guter Post die „Zeit“ in die Vergangenheit zu tauchen Super Fotos wenn es auch traurig ist. Aber das haben ja Kriege so an sich wieder sehr
    tolle Fotos 👍🏻👍🏻Lg Uschi und Karl

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    1. Hallo Ihr Zwoi und danke für's Kommentieren! Ich finde auch er hat die Stimmung gut eingefangen und Geschichte prima beschrieben. Die Bebilderung lässt ebenfalls nicht zu wünschen übrig. Da is er definitiv besser drin als ich. Mit den Kriegen gebe ich Dir recht... die Menschheit lernt scheinbar nix dazu. LG nach vorne von uns. 😁

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  6. Karen Nash Bradford, Heike, Erin Bush & Barbara WyffelsDonnerstag, 7. Juli 2022 um 08:46:00 MESZ

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