Sonntag, 23. Juli 2017

Sughero (Korkeichen-Ernte)

Kommen wir nun nach Calangianus (Kallangianosch gesprochen) und zur Korkmanufaktur von Sandra Cossu und ihrer Familie. Unvermittelt standen wir vor deren Werkstatt und Laden, frisch runter von der Fähre und auf der Fahrt mit dem Reisebus zu unserem Hotel. Okay... Geschäftemacherei, werdet Ihr sagen, aber seeeeehr interessant. Denn habt Ihr Euch schon mal Gedanken gemacht woher eigentlich unsere Flaschenkorken herkommen, oder Eure Pinnwände, oder gar der Bodenbelag? Also wir nicht. Bisher.

Francesca hat uns aufgeklärt: Kork kommt von Korkeichen.
Wie unten schon erläutert ist, wird Kork in einigen wenigen Ländern angebaut und Sardinien bedient vom Weltmarkt den größten Teil. Die Steineichen von den Korkeichen unterscheiden können wir eigentlich nur, wenn sie geschält sind, die Letzteren. Wie das aussieht, seht Ihr weiter unten. Da wird mit einem kleinen Beil ein Rechteck abgeschält und zwar in einer bestimmten Tiefe/Dicke.
Dafür gibt es ein eigenes Berufsbild, es ist also ein regelrechter Beruf, die Sughero (Korkeichen-Ernte) durchzuführen.

Die Korkeichenwälder sind auf Sardinien komplett in staatlichem Besitz und werden an Verwalter verpachtet, unschwer erkennbar an eingezäunten Gebieten, mit kleinen Hütten auf den Grundstücken. Und geerntet werden darf nur durch ausgebildete Fachkräfte, die von den Verwaltern angestellt sind.

Die Bäume selber dürfen nur ca. alle 8-12 Jahre geschält werden und müssen sich dann davon erholen. Damit da nichts durcheinander gebracht wird, wird das strengstens staatlich überwacht und die Bäume extra markiert.
Dem J.V. gehört also dieser 'Claim' (dieses Feld) und
in 8 Jahren darf dieser Baum wieder abgeerntet werden.
Bevor wir es vergessen, auch als Servierplatten und nicht nur als Korken, wird Kork gerne verwendet und das ist angeblich gar nicht unhygienisch, wie wir Euch ja schon aus dem Steineichenwald, von den Hirten, berichtet und gezeigt haben.

Natürlich ließen wir es uns nicht nehmen auch Souvenirs mitzunehmen. Unser Nachwuchs erhielt selbstverständlich eine Korkeule.

Nachstehend haben wir Euch Infos zu den Korkeichenfotos zusammengetragen, die Quellenangaben dazu sind untenstehend. ALLES kann man sich im Urlaub schließlich auch nicht merken. Dazu war es einfach zuviel Info, die wir da von Francesca erhielten. Aber lest selbst nach, bitteschön...

Die Korkeiche (Querus Suber) wächst vorwiegend in Portugal, Spanien, Italien und Teilen Algeriens. Die Rinde der Quercus Suber liefert den begehrten Rohstoff Kork.
Dieser Baum ist ein immergrüner Laubbaum des westlichen Mittelmeerraums. Sie erträgt Dürre und stellt geringe Ansprüche an die Bodenbeschaffenheit. In Mitteleuropa ist sie nicht winterhart. Namensgebend sind die mächtigen Korkschichten des Stammes, die zur Korkgewinnung genutzt werden. Ein einzelner Baum kann während seines Lebens 100 bis 200 Kilogramm Kork liefern. Korkeichenwälder bilden die Heimat einer großen Zahl an Tier- und Pflanzenarten. Da Kork als Flaschenverschluß zunehmend durch andere Materialien ersetzt wird, sind diese Wälder als Bestandteil der Kulturlandschaft gefährdet und damit auch Tierarten, wie der Pardelluchs, vom Aussterben bedroht.

Die Korkeiche ist ein Überlebenskünstler und wertvoll für Flora und Fauna in ihrer Umgebung: ihre feuerfeste Rinde aus Kork schützt sie vor Buschbränden, die Baumkrone spendet Schatten und schützt die im Wald lebenden Pflanzen und Tiere vor der brennenden Sonne. Die ätherischen Öle im Blattwerk sind für schmarotzende Pflanzen und Tiere ein wahres Gourmetfrühstück.

Sie braucht viel Sonne um hochwertigen Kork zu produzieren. Die Bäume haben eine Lebenserwartung von ca. 180 Jahren.

Bei der Schälung darf die Mutterschicht nicht beschädigt werden, da diese den Baum vor dem Austrocknen und vor Infektionen schützt. Unter ihr wächst die neue Rinde.

Nach der Ernte wird die Korkrinde 6 Monate zum Trocknen und Stabilisieren gelagert. Vor der Fertigung von Korken wird die Rinde in Wasser gekocht. Insekten werden hierbei abgetötet, enthaltenes Tannin (Gerbstoff) wird entzogen und das Material wird hierdurch weich und elastisch. Danach reift der Kork noch ca. 6 Wochen in Dunkelheit und bei einer bestimmten Luftfeuchtigkeit.

Korkeichen sind übrigens optimale Klimaverbesserer: über die Baumkrone nehmen die Bäume CO² auf und verringern so die Umweltverschmutzung. Nach der Entrindung, die Viele als 'schmerzhaft' für den Baum empfinden, lassen sie Sauerstoff in einer größeren Menge frei. Je öfter sie entrindet werden, desto mehr. Auch die Qualität des Korks steigt mit der Zeit.
Zeit ist überhaupt eines der wichtigsten Dinge bei der Ernte. Die magischen Zahlen: wenn die Stämme einen Umfang zwischen 30 und 40 cm erreicht haben, wird zum ersten Mal geerntet. Dann ist der Baum zwischen 20 und 25 Jahren alt. Und nach etwa 8 bis 9 Ernten ist der Baum verbraucht. Rund 85% der italienischen Korkproduktion stammt aus sardischen Wäldern.
Hier wird der geerntete Kork bis zur Reife gelagert
Oder hier, im Kleinen
Kork ist weich. Kork ist warm. Kork ist robust. Kork ist antistatisch. Kork ist leise. Kork ist einfach faszinierend.
Auch Peter ist schon ganz fasziniert.

Aus den Korkplatten werden Flaschenkorken ausgebohrt. Hierbei bleiben die ausgebohrten Rohlinge übrig. Diese bilden das Grundmaterial für Presskorkblöcke und Bodenbeläge aus Kork.
Opa Cossu bei der Demonstration der Korkenproduktion
Sandra Cossu bei der Souvenirherstellung,
hinter ihr unsere Reiseleiterin für einen Tag: Francesca
Ziemlich in der Mitte: Jasmina, Alex und Regina
Opa Cossus Steckenpferd: Frauenbüsten aus Kork
Der sogenannte 'männliche' Kork, den die Korkeiche in den ersten Jahren bildet, ist ohne Nutzwert. Er wird vorsichtig abgeschält, um die darunter liegende Rinde nicht zu beschädigen. Ab dem 20. bis etwa zum 150. Lebensjahr des Baumes wird der 'weibliche' Kork vom Stamm abgeschält. Erst dieser Kork hat die richtige Dicke, um daraus Flaschenkork herzustellen. Bei der ersten Schälung hat der Kork noch eine sehr rauhe Oberfläche und schlechte Qualität. Erst die nachfolgenden Schälungen besitzen eine glattere Struktur und damit die bessere Qualität.
Ameisenbilder im Kork, ein Abfallprodukt

Manchmal buddeln sich Ameisen Wege in die Rinde, die dann nicht mehr für hochwertige Produkte verwendet werden kann, sondern z.B. nur noch für Bodenplatten, Dämmmaterial, Dekoprodukte oder Souvenirs.
Was das Lädle so alles hergab...

Quellenangaben: Wikipedia, pecora-nera.eu, kork-ickert.de, YouTube

Und abschließend zeigen wir Euch noch ein Video der Sughero-Ernte:
Dieser Beitrag ist übrigens diesmal eine Gemeinschaftsproduktion der einen Hälfte des dynamischen Quartetts, nämlich von Peter & Regina.

Gerne lesen wir nachstehend Eure ZAHLREICHEN Kommentare hierzu. *zwinker*

4 Kommentare:

  1. Hey ihr zwei!
    Ihr habt einen sehr lehrreichen und unterhaltsamen Artikel zusammen erstellt! :-)
    nichts desto weniger... Kork mag ich net so! :-)))

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  2. Hey Du! Danke, dass Du nicht beim Lesen gelangweilt hast. Aber das musste, der Vollständigkeit halber, so ausführlich sein. :) Echt? *entsetzt* Du magst keinen Kork... :-O bist halt kein Kind der Achtziger. Wir haben einen Korkschrank, hatten früher ein Eiche dunkel Schlafzimmer mit Kork, und dann haben wir noch eine Korkpinnwand im Flur aus Korkfliesen. Ich persönlich find den total toll, könnte ihn mir auch gut als Bodenbelag in einem Zimmer vorstellen. So unterschiedlich sind halt die Geschmäcker, ge? Ach und... danke für's Kommentieren, Nicki! :-*

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  3. Hallo ihr zwei ,
    Erstmal sorry dass so spät mein Kommentar kommt . Kennt ihr das --Ok das mach ich dann später -- und uuuups kaum sind zwei drei Wochen vorbei dann fällt es einem wieder siedend heiss ein -- Da war doch noch was!?!? ---tuuut mir leid ist normal nicht meine Art .
    EuerBeitrag wieder super super toll gemacht (Schilderung Bilder Film) ich wusste zum Beispiel nicht , dass man die Korkeichen mehrmals abernten kann sehen auch irgendwie lustig aus , so halb geschält---schon wieder was dazu gelernt . Ich mag Kork das ist ein warmer Rohstoff --wir hatten früher mal einen Fußboden aus Kork war sehr angenehm . Ihr habt wie immer euren Ausflug sehr interessant,lehrreich und ausführlich geschildert ---"toll" ---macht weiter so es macht immer wieder Spass eure Beiträge zu lesen und euer Bildmaterial anzuschauen. Bis zum nächsten Mal LG

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    1. Ihr lieben Drei! Vielen Dank für's mitlesen und kommentieren. Ja, kennen wir, der Alltag holt einen einfach immer wieder ein. Wir sitzen schon an den nächsten Beiträgen, aber gut Ding will eben Weile haben, gell?
      Auch ich erinnere mich, daß wir sogar mal ein Eiche dunkel Schlafzimmer mit Kork hatten. Das war klasse. Ich persönlich finde Kork einen tollen Rohstoff. Und erinnerst Du Dich noch an Schuhe mit Korkabsätzen? 80er Jahre glaube ich...
      Freut Euch schon auf den nächsten, interessanten (wie wir hoffen) Beitrag. Und falls es ab und zu etwas mehr zu lesen ist, tut uns das leid. Doch solange es nicht langweilig wird, geht's, oder?
      ;-)
      Danke nomol. Hoffe es liest sonst noch wer mit und kommentiert auch *winkt mit zaunpfahl*

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