Montag, 15. Mai 2017

Nuoro und Orgosolo

Vorab kann ich Euch beruhigen: heute war ein Bombentag! Genau SO stellen Peter und ich uns Urlaub vor. So muß Urlaub! 

Nuoro heißt übrigens ‚unser Herz‘.

Trotzdem es erneut recht früh los ging. Es hieß um 7 Uhr frühstücken, damit wir dann um 9 Uhr abfahren konnten.
Inzwischen verschwimmen bei mir schon die Details, in diesem Fall die tatsächliche Fahrtdauer, auch die Landschaft wurde bei mir inzwischen zu einer farbigen Masse aus grünen Bäumen von Eichen, Pinien und Oliven. Ein Mammutprogramm, selbst für unsere Verhältnisse.
Aber schee isses scho! :-) 

Vormittags sind wir dann in Nuoro an einer mini-winzigen Kirche gelandet und wollten fast wieder unseren Unmut kundtun. Doch wir machten uns stattdessen brav auf, das Örtchen zu erkunden. Was eigentlich unsinnig war, da wir einfach am Stadtrand abgesetzt wurden und einen Zeitrahmen von vierzig Minuten Aufenthalt erhielten. Wir wollten das Meiste daraus herausholen und untersuchten also erst die Kirche, dann die Hauptstraße, in brütender Hitze natürlich und legten noch einen Zwischenstopp in einer Gelateria ein, bevor wir wieder in den Bus mußten. Ja, ein paar schöne Fotos kamen dabei heraus.
Fast waren wir erneut am Punkt unserer gestrigen Rage, doch dann… 

wurde uns die Besichtigung von Murales in Orgosolo versprochen, sogar mit Fußmarsch und Begleitung unseres Reiseleiters Salvatore. DAFÜR hätten Peter und ich gerne einen halben Tag Zeit gehabt, denn es war einfach zu schön. Prächtige Wandgemälde waren das, so schön wie in Kalifornien, wo sie Murals heißen, aber hier mit geschichtsträchtigem Hintergrund.
Jedes Gemälde, oder viele, sind mit Text versehen und erzählen die Handlung des Bildes. Der Sarde hat hier seinen politischen Hintergrund aufgearbeitet. Mit etwas Sprachenbegabung versteht man die italienischen Worte sogar ohne Übersetzung! Schaut Euch einfach auch mal ein paar an: 



Viel zu schnell mußten wir wieder zum Bus zurück und weiterfahren, denn unser nächster Programmpunkt war ja bereits fest vereinbart und wir wurden erwartet. Wir fuhren in einen Steineichenwald zu Hirten.
DAS war wirklich ursprünglich und richtig urig! Ihr müßt Euch das vorstellen wie am Schluß eines Asterix & Obelix Heftes, wo sie im Kreis um ein Lagerfeuer herumsitzen, Wildschwein essen und der Barde versucht zu singen. Zwischen unseren Beinen, jedenfalls beinahe, sprangen echte, riesige Wildschweine herum und ein Kampfdackel namens Olivia. Olivia bekämpfte die Riesentiere durch heftiges Bellen und hielt sie davon ab uns zu zwicken, unsere Reste zu schnabulieren, bzw. unsere Taschen zu durchwühlen.




In unserer Mitte war jedoch kein Lagerfeuer, sondern dort stand eine Steineiche. Unsere Sitzplätze waren Granitsteine. Jeder bekam dann ein Holzbrettchen, eine Holzgabel und einen tönernen Korkkrug. Serviert wurde von riesigen Korktellern, wie wir sie am Anfang unserer Reise kennenlernen durften.
Einer der Hirten umkreiste uns ständig, bewaffnet mit zwei Tonkrügen, die sowohl Vino Rosso als auch Aqua enthielten. Dann wurden wir bedient mit sardischer Wurst, sardischem Käse (Peccorino und Schafs- oder Ziegenkäse), sardischem Brot und Fleisch. Und gerade als wir dachten es geht nicht mehr… schnitt einer der Hirten die beiden Spanferkel(chen) mit der Astschere klein und es wurde uns weiterserviert. Danach bekamen wir superfrische Blutorangen und einen süßen Nachtisch. Das war eine Art gefüllte Teigtasche, mit Perlen verziert, so ähnlich wie Plätzchen. Verdauungsschnaps gab’s natürlich auch. 


Alex, Stefan, Salvatore


Als wir das Alles glücklich und bappsatt überstanden hatten, wurden wir mit Hirtengesang bespaßt. Etwas ungewöhnlich, aber muß man mal gehört haben. Der Chor war begeistert, soviel steht fest.
Dann boten die Hirten ihre Waren an, Wurst, Käse, Schnaps und eine DVD der Gruppe. 
3 Hirten mit Jasmina
Das war so ein unbeschreiblich schönes Erlebnis und so außergewöhnlich, wir fühlten uns Heute echt wie die Gallier. 



Gegen 17 Uhr waren wir zurück im Hotel, was uns genügend Zeit gab endlich Postkarten zu organisieren und noch schwimmen zu gehen. Peter war im Meer, ich im Pool und dann ging es weiter mit Abendessen.

Ich schwöre, wenn wir auf dieser Reise Eines gemacht haben, dann ist es ESSEN!

Ich bin mir sicher, daß Euch diese Erlebnisse ebenfalls gefallen würden. Ein einzigarter Tag!
Auf meiner Seite leider gekrönt von unbandigen Schmerzen, aber das kenne ich ja schon. Ich geb auch gleich Ruhe, denn auch Morgen sollen wir einmal mehr gestriegelt und gebügelt um 8.30 Uhr abfahrbereit sein. Dafür müssen wir heute noch packen, denn das morgige Frühstück wird unsere letzte Mahlzeit hier sein.
Was uns Morgen erwartet erzählen wir Euch ein andermal, denn… jetzt ham’mer no‘ a bissi was zu tun. 

Laßt es Euch gut gehen und bleibt unverdrossen, denn wir bringen Euch das schöne Wetter mit, so in zwei Tagen. Genießt inzwischen ein paar Fotos von uns.

Ach und, bevor ich’s vergeße, Uschi, alle Armaturen ließen sich diesmal ‚normal‘ bewegen, bis auf die Badezimmerdusche… da stand ich kurz vor Rauchzeichen. Das Wasser lief und lief so vor sich hin, in die Badewanne und ich war kurz vor dem Nervenzusammenbruch, bis ich einen Ring um den Wasserhahn fand. Da wo’s Wasser raus läuft. Erstaunlicherweise ist dieser wie eine Kuh beim Melken zu bedienen, du ziehst diesen Ring sachte nach unten, wie beim Kuheuter, und schon kommt das Wasser aus dem Duschkopf statt dem Hahn! Toll, ge?

Ach und… scheinbar habe ich schon wieder mal einen Sonnenbrand auf der Kopfhaut. *seufz* Manch Einer lernt nie, nicht einmal aus den eigenen Erfahrungen! *augenroll*


Wie immer ganz liebe Grüße vom Viertele, Regina.

7 Kommentare:

  1. Oooooh,... Das freut mich riesig für Euch! Und die Bilder sehen auch toll aus. Die Zeit bei den Hirten klingt himmlisch. Wann hat man sowas schon mal? Eine tolle Erfahrung. Du hast recht, ich glaube das hätte uns auch gefallen. Rico bekommt auch IMMER einen Sonnenbrand auf der Kopfhaut. (Geteiltes Leid ist halbes Leid? 😂).
    Wir haben die Sonne bereits vor geschickt, bei uns regnet es seit gestern Abend/Nacht ununterbrochen bei 29 Grad.
    Witzig - wir essen hier in Thailand so gut wie gar nichts. Dabei dachten wir, wir würden ununterbrochen futtern. Ich glaube unser nächster Urlaub geht auch nach Italien! 😀

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    1. LOL das würde ich Euch auch vorschlagen. Selten soviel Gastfreundschaft erlebt wie in Italien!
      Das mit dem Wetter hat zum Glück geklappt, wir haben offensichtlich beide das schöne Wetter mitgebracht. Hoffentlich hält's recht lange.
      Bin noch kräftig am After Sun schmieren in die Haare, ganz lecker. Aber wenigstens ist das mein einziges zu vermeldendes Manko und an dem bin ich auch noch selbst Schuld. ;-)

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  2. Hallo,
    wenn Jemand ein Video vom Schweinejagen oder vom Hirtengesang haben will, bitte melden.
    Peter

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  3. bin blogtechnisch auf dem neuesten stand. tut mir leid dass du schmerzen hattest aber schön dass der urlaub jetzt endlich war wie ihr ihn euch vorgestellt habt. klingt cool. :) noch bisschen durchhalten dann seid ihr wieder im bequemen heimischen bett.

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    1. Freut mich, daß Du mitliest. Tut mir leid, daß auch Du Schmerzen hast. Sana sana colita de rana und so, ge?

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  4. Hoffentlich geht's Dir besser!!

    Der Tag klingt wirklich super!! Wobei Heinzi NIEMALS von einer Holzgabel essen würde (ihm stehen schon bei dem Gedanken daran alle Haare zu Berge) :-)))

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    1. Ja, Alles wieder gut, weil... Unkraut vergeht ja bekanntlich net, ge?
      Der Tag war wirklich super. Dann hätte Heinzi halt mit den Fingern essen müssen, oder mit dem Schweizer Taschenmesser, denn Besteck gab's da ansonsten nicht.

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